Krise bewaeltigenErfolg gestalten

Beyond #shifthappens: Gespräch mit unserem Partner Konrad Martin

Beyond #shifthappens widmet sich Menschen, die Unternehmen und MitarbeiterInnen tagtäglich bei ihren wichtigen Veränderungsprozessen begleiten und unterstützen. Nordantech Co-Founder Christian Kuhs spricht mit seinen Gästen über Beratung, ihre spannenden Karrierewege, Höhen und Tiefen und natürlich Transformation!

In der aktuellen Folge erzählt unser Partner Konrad Martin von seinem Berufseinstieg in der Automobilwirtschaft und seinem persönlichen Weg zum Partner bei comes. Er spricht über den richtigen Mitarbeiter-Mix und seine Freude an Veränderung. Was sind die Herausforderungen in der Sanierungsberatung? Passt Beratung zur Generation Y/Z?

Hier geht es zum Podcast!

Podcast Beyond #shifthappens

comes-Jahresausblick 2021

Welche Themen beschäftigen die Wirtschaft 2021?

Mit dem Verlauf von 2020 hat in dieser Form vermutlich niemand gerechnet. Statt sich den globalen Trends zu widmen, mussten sich viele Unternehmen der Bewährungsprobe Covid-19 stellen und nicht jedes wird die Krise überleben. Mit den anhaltend hohen Infektionszahlen und den erlassenen Maßnahmen wird klar, dass das Jahr 2021 ebenso von der Corona-Krise geprägt sein wird. Themen wie Adaption und vor allem Resilienz spielen im Angesicht von Existenzängsten eine große Rolle. Doch welche Themen beschäftigen die Wirtschaft im kommenden Jahr neben der Pandemie außerdem und inwiefern wurde der Strukturwandel von der Krise beeinflusst?

Wirtschaft global

Die globale Wirtschaft wird im Jahr 2021 unter anderem von dem größten Freihandelsabkommen der Welt geprägt werden, welches die wirtschaftlich führenden Staaten des Asien-Pazifik-Raums unterzeichnet haben. Das Abkommen wird einen Wendepunkt in der geopolitischen Weltordnung markieren und speziell die VR China wird davon profitieren. Bereits im Jahr 2020 wuchs Chinas Wirtschaft trotz der Corona-Pandemie-Folgen im Gegensatz zu anderen Nationen noch um 2%. Im November 2020 sind Chinas Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20% angestiegen. Die Abhängigkeit von China wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Für Deutschland und Europa wird es umso bedeutender, zum einen die Partnerschaft mit den USA wiederzubeleben und zum anderen die Präsenz auf den asiatischen Märkten weiter auszubauen. Weitergehend werden die beiden Volkswirtschaften USA und China mittels enormer Konjunkturpakete in der wirtschaftlichen Entwicklung angetrieben, sodass vor allem die exportstarke deutsche Wirtschaft hiervon profitieren könnte. Außerdem wird die EZB ihr Maßnahmenpaket weiterhin aufrechterhalten, sodass die europäische Wirtschaft gestützt wird.  Zwar ist zwischen dem Vereinigtem Königreich und der EU ein Brexit-Handelsabkommen beschlossen worden, dennoch wird der Austritt des Landes aus der EU auch im neuen Jahr die Wirtschaft beschäftigen. Allerdings wird der Brexit das Vereinigte Königreich stärker treffen, da die EU der größte Handelsmarkt für Großbritannien ist. Durch die Bereitstellung von Impfstoffen und weitere fiskalpolitische Maßnahmen ist davon auszugehen, dass sich die Konjunktur voraussichtlich im Laufe des Jahres positiv entwickeln wird, sofern der Lockdown im Laufe des ersten Quartals weitestgehend beendet wird.  

Wirtschaft national

Mit dem anhaltenden Lockdown wird eine Wiederkehr auf das Vorkrisenniveau in 2021 zunehmend unwahrscheinlicher. Jedoch ist davon auszugehen, dass es seitens der Politik weitere massive Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft zumindest bis zur anstehenden Bundestagswahl geben wird. Diverse Maßnahmenpakete sowie eine temporäre Aussetzung der Insolvenzantragspflicht (v.a. aufgrund von Überschuldung) haben die sich androhende Insolvenzwelle zumindest in die Zukunft verlagert. Betroffen von der Corona-Krise sind im Wesentlichen alle Branchen. Exemplarisch sind vor allem das Gastgewerbe, der Handel, die Hotellerie sowie der Mobilitäts- und Veranstaltungssektor zu nennen, die am stärksten von den Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Diverse Unternehmen werden weiterhin in großem Umfang Kurzarbeitergeld beanspruchen müssen.

Darüber hinaus ist am 01. Januar das „Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen“ (StaRUG) in Kraft getreten. Mit dem Gesetz wird die Geschäftsführung eines Unternehmens dazu verpflichtet, die Interessen der Gläubiger zu wahren und ein System zur Krisenfrüherkennung in ihre Unternehmensorganisation zu implementieren. Unternehmungen müssen sich zukünftig stärker mit ihrer Liquiditätsplanung auseinandersetzen. Generell sollen mit dem Gesetz die Überschuldung und die drohende Zahlungsunfähigkeit stärker voneinander abgegrenzt und eine frühzeitige Unternehmensrestrukturierung als insolvenzabwendende Maßnahme ermöglicht werden.

Un­ter­neh­mun­gen müs­sen sich zu­künf­tig stär­ker mit ih­rer Li­qui­di­täts­pla­nung aus­ein­an­der­set­zen.

Ein weiterer Faktor, der sich auf die deutsche Gesellschaft auswirken wird, sind die Bundestagswahlen im Herbst 2021. Nach 16 Jahren und vier Legislaturperioden wird die Regierungszeit von Angela Merkel enden. Die Studie "Junge Deutsche 2021" verdeutlicht, dass sich die Jugendlichen aktuell von der Politik im Stich gelassen fühlen. Mit Blick auf die Bundestagwahl ist evident, dass die Politik die Jungwähler, die mit Merkel aufgewachsen sind, für sich gewinnen und die gesellschaftlich relevanten Themen ansprechen muss. Die zukünftige Bundesregierung wird die politisch-strategische Ausrichtung von Deutschland im nationalen und globalen Bereich bestimmen.

Handel

Nach dem Ende des Lockdowns wird es zumindest für einige Bereiche Nachholeffekte im Handel geben. Jedoch wird ein Großteil des Handels durch den langen Lockdown und die sicherlich weiter bestehenden Hygienemaßnahmen ein angespanntes Wirtschaftsjahr vor sich haben. Es wird eine große Zahl von Insolvenzen erwartet. Die Probleme, speziell im stationären Einzelhandel, sind allerdings nicht ausschließlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Sie liegen viel weiter in der Vergangenheit. Die Strukturprobleme haben die Händler zügiger als erwartet eingeholt und beschleunigen die Marktbereinigung in dem Segment. Nachhaltige Angebote, wie beispielsweise Second Hand sowie zirkuläre Mode und/oder Artikel, werden umsatzstärker, da zunehmend bewusster konsumiert wird.

Pop-Up-Stores als Konzept

Darüber hinaus verändern die Themen Konnektivität und Technologie den Handel insofern, als personalloses Einkaufen oder digitale Präsentationen im Geschäft vermehrt auftreten werden. Der Einzelhandel sollte außerdem neue Technologien wie die Augmented Reality einführen. Dazu sind allerdings technologieaffine Mitarbeiter*innen nötig. Auch wird es zu einer Neubewertung des Standortes und einer noch stärkeren Vernetzung zwischen dem Online- und dem stationären Geschäft kommen. Es wird sich die Frage stellen, ob ein Online-Geschäft mit gelegentlich geöffneten Pop-Up-Stores einem rein stationären Geschäftsmodell vorzuziehen ist.

Des Weiteren beschleunigt die aktuelle Krise die Veränderung der Innenstädte. Bereits in den letzten Jahren hat die Dominanz der Filialketten zugenommen. Mit dem Home-Office hat sich vor allem das Bewegungsprofil und Kaufverhalten in den Großstädten geändert. Die Menschen verweilen vermehrt in ihren Wohnvierteln und nutzen die Händler und Gastronomie vor Ort, was eine große Chance für kleinere inhabergeführte Geschäfte ist. Zudem werden sich hybride Modelle durchsetzen. Die Verbraucher möchten demnach in unabhängigen Geschäften einkaufen. Vor allem werden sich stärker nutzungsgemischte Städte, sog. Mixed-Use-Konzepte, sowie gemischte Quartiere etablieren, um den Wandel von der autogerechten Stadt in Richtung einer kompakten, der Urbanisierung gerecht werdenden Stadt zu vollziehen. Zukunftsfähige Quartiere zeichnen sich durch eine ganzheitlich gemischte Nutzungsform aus, die u.a. über Arbeitsstätten, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, soziale Treffpunkte sowie Wohnflächen verfügt.

Im Bereich des E-Commerce wird das Direct-to-Consumer-Geschäft (D2C) elementar werden. Zunehmend mehr Hersteller von Konsumgütern setzen für den Verkauf ihrer Produkte auf den direkten Kundenkontakt. Zwischenhändler verlieren an Relevanz. Bedingt wird das u.a. durch den Einkauf über soziale Medien, den sog. Social Commerce, und das Messenger-Shopping, den sog. Conversational Commerce. Zudem adaptieren Lebensmittelhändler und Produzenten von Fast-Moving-Consumer-Goods, sog. FMCG-Unternehmen, ihr Geschäftsmodell auf den Online-Handel. Abo-Modelle sowie Click & Collect, die während der Corona-Krise von guter Eignung waren, werden sich fortführend etablieren. Von dem E-Commerce profitiert ebenfalls die Logistik, die primär die sog. letzte Meile der Auslieferung optimieren muss. Denkbar ist, dass Lieferanten in weniger dicht besiedelten Gebieten zusammenarbeiten, sich räumlich aufteilen und/oder sich in Zukunft die Lieferung per Drohne in ländlichen Regionen durchsetzen wird.

Immobilien

Immobilienmärkte reagieren auf wirtschaftliche Veränderungen stets mit Zeitverzögerung. Die Rezession im Zuge der Pandemie wird sich im Laufe des Jahres 2021 vorrangig auf Mieten und Immobilienwerte auswirken. Die Gewerbeimmobilien des Einzelhandels sowie der Hotels leiden einerseits wegen der Maßnahmen im Lockdown und andererseits wegen des sich wandelnden Kaufverhaltens von Konsumenten am stärksten unter der Krise. Folglich kam und wird es zu weiteren Mietausfällen kommen. Es drohen mittelfristig Leerstände, speziell in weniger begünstigten Lagen. Demzufolge werden sich die schon vor der Pandemie aufgetretenen Preisrückgänge in einigen Regionen für Gewerbeimmobilien fortsetzen.

Dagegen sind bei Büroimmobilien die Flächenumsätze im Laufe des Jahres 2020 vorerst zurückgegangen. Mitunter durch niedrige Leerstände und eine geringe Neubautätigkeit in der Vergangenheit hat die zunehmende Zurückhaltung der Investoren bei Büroflächen bislang keine Auswirkungen auf die Mietentwicklung. 2021 dürfte der Büroflächenbedarf aufgrund der vorangegangenen Entwicklung schwächer ausfallen und sich dämpfend auf die Mietentwicklung auswirken. Freistehende Flächen werden angesichts des niedrigen Ausgangsniveaus jedoch überschaubar bleiben, sodass ausgeprägte Mietrückgänge unwahrscheinlich sind.

Der Markt für Wohnimmobilien zeigt sich bislang sehr robust. Explizit die ländlichen Regionen bzw. die Umlandkreise von Metropolregionen werden langfristig von der Krisenzeit profitieren. Durch die Phase der Lockdowns ist die Wertschätzung für die eigene Wohnimmobilie weiter gestiegen. Viele Haushalte haben realisiert, von welcher Bedeutung ausreichend Geräumigkeit sein kann. Vor allem für Familien ist das Umland interessant, denn in den Städten zeigt sich bisweilen ein Nachfrageüberschuss, sodass keine Einbrüche der Kaufpreise für Wohnimmobilien zu verzeichnen sind. Dem kommt zugute, dass die Immobilienkredite aktuell bei kaum mehr als 1% liegen. Diese Tatsache verursacht seither einen stabilen Wohnungsbaumarkt.

Der Wohnimmobilienmarkt zeigt sich robust.

Messen/Veranstaltungen

Die Messe- und Veranstaltungsbranche gehört zu den am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Bereichen. Von der Bundesregierung sind weitere Unterstützungen für die Branche vorgesehen. Die Konzert-Veranstalter sollen ermutigt werden, Veranstaltungen zu planen. Dazu möchte die Bundesregierung alle Aufwendungen abrechnungsfähig machen, die sich wegen der Corona-Restriktionen wider Erwarten nicht realisieren lassen. Zudem soll 2021 ein Förderprogramm für die Kulturbranche erlassen werden. Generell wird die Messe- und Veranstaltungsbranche von Nachholevents im kommenden Jahr gekennzeichnet sein. In der Messewirtschaft ist Deutschland bislang Weltmarktführer. Doch der Schwerpunkt wird sich nach Fernost verlagern, nachdem China bereits zahlreiche Messen im Pandemiejahr veranstaltete. In Deutschland droht dagegen den privaten Messegesellschaften die Insolvenz. Als zukünftiger Trend zeichnet sich ab, dass für Unternehmen Roadshows und Online-Events eine Perspektive sein werden, um unabhängig von großen Messen Neukundenakquise betreiben zu können.

Gastgewerbe (Gastronomie und Hotellerie)

Die Umsatzeinbrüche in der Veranstaltungsbranche sowie der Lockdown sind ebenfalls folgenreich für das Gastgewerbe. Die Unternehmen der Gastronomie gehörten zu den ersten, die im Zuge der Pandemie geschlossen werden mussten und somit nur eingeschränkt durch Lieferservice und „Take-away“ Umsätze erzielen konnte. Es ist davon auszugehen, dass die Gastronomie zu einem späten Zeitpunkt für Lockerungsmaßnahmen berücksichtigt wird. Aufgrund der weiterhin geltenden Kontaktbeschränkungen sowie der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wird es sicherlich ganzjährig zu Einschränkungen kommen, sodass deutlich weniger Gäste bewirtet werden können. Die reduzierte Umsatzsteuer für Speisen auf 7%, die bis zum 30. Juni 2021 gilt, wird dies nicht ansatzweise kompensieren können. Einer DEHOGA-Umfrage aus dem Dezember 2020 zufolge sehen sich 70% der gastgewerblichen Betriebe existenzgefährdet. Staatliche Hilfen sind für diese Unternehmen unverzichtbar. Dennoch muss die Gastronomie resilienter werden und ihr Angebot diversifizieren.

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt.

Weitergehend zeigt sich, dass sich die Ernährungsgewohnheiten und Gastronomieangebote im Umbruch befinden. Der Trend, der sich bereits vor der Pandemie abzeichnete, metamorphosiert zu biologisch angebauten Lebensmitteln, Regionalität und Saisonalität. Durch regionale Angebote werden die Transportstrecken kurzgehalten und die heimische Wirtschaft gefördert. Zu Beginn des Jahres 2020 ist die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln gestiegen. Diese Bewegung setzte sich im Jahresverlauf weiter fort und wird im kommenden Jahr anhalten. Die Pandemie hat den Wunsch nach gesunder Ernährung und Nachhaltigkeit gestärkt.

Das Gastgewerbe, vorrangig im hochpreisigen Bereich sowie in Metropolregionen, ist zudem von Geschäftsreisenden abhängig. Nicht wenige Unternehmen haben in der Krise festgestellt, dass virtuelle Treffen ebenso zielführend sein können und werden daher in Zukunft verstärkt auf diese Art des Austausches setzen. Die Meetingkultur wird sich grundlegend und nachhaltig ändern. Auch wenn sich die überwiegende Anzahl von Unternehmen zurück zu persönlichen Treffen orientieren wird, ist mit einem Rückgang von Geschäftsreisen zu rechnen. Diese Entwicklung wird ebenfalls die Hotels in den Städten beeinflussen. Der Einbruch im Segment der Geschäftskunden war im letzten Jahr massiv. Vor allem die Hotels, die ihre Gebäude gepachtet haben, sind aufgrund der hohen Fixkosten in ihrer Existenz bedroht.  

Tourismus

Auch wenn sich der Trend abzeichnet, dass zunehmend mehr Menschen den Urlaub in Deutschland einem Auslandurlaub vorziehen, befindet sich der Deutschlandtourismus in der Krise. Die Reiseveranstalter passen ihr Angebot insofern an, als sie vermehrt Inlandreiseziele und Mittelmeerregionen anbieten. 2020 führte jede vierte TUI-Reise nach Hellas. Es werden Regionen mit einem zu verzeichnenden milden Verlauf der Pandemie vorgezogen. Um ein Ansteigen der Buchungen von Pauschalreisenden zu erreichen, setzt TUI nun auf verschiedene Tarife von Urlaubspaketen mit Flug, Unterkunft sowie Zusatzleistungen in Form von Flexibilität. Es zeichnet sich zudem ein stärkerer Trend zu Ferienwohnungen und -häusern sowie autarken Reisemöglichkeiten ab. Ferner gehören für das Jahr 2021 Kurzurlaube in der Stadt und freien Natur zu den Favoriten der deutschen Urlauber. Diese Reisen werden meist privat und ohne Reisebüros organisiert. Speziell die Camping-Branche erwies sich als Krisengewinner. Während exemplarisch Reiseveranstalter und Hoteliers um ihre Existenz bangen, erwies sich das Jahr 2020 als Rekordjahr für die Camping-Branche.

Währenddessen ist die Kreuzfahrtbranche von einer ungewissen Zukunft geprägt. Die Reedereien und Werften sind ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft in Norddeutschland. Durch die Umsatzeinbußen wird zudem mit höheren Preisen für Kreuzfahrten kalkuliert. Die Kreuzfahrt-Urlauber werden jedoch im Jahr 2021 verunsichert sein und bei den Buchungen zögerlich bleiben. Nicht nur beunruhigen wiederkehrende Informationen über Absagen und Routenänderungen, auch die Unbestimmtheit darüber, mit welchen Einschränkungen während der Reise zu rechnen ist, hält von einer Buchung ab. Der Kreuzfahrttourismus sowie die Individual- und Pauschalreisen werden sich aus der Sicht der deutschen Urlauber von Nahregionen wie der Nord- und Ostsee mittelfristig weiter zum Mittelmeerraum und langfristig zu zunehmend interkontinentalen Reisezielen ausweiten.

Die Kreuzfahrtbranche ist von einer ungewissen Zukunft geprägt.

Ein weiterer Faktor ist, dass viele Urlauber einen Impfstoff gegen Covid-19 für notwendig erachten, bevor sie eine Auslandsreise buchen. Daher werden Interkontinentalreisen wahrscheinlich erst Ende 2021 im größeren Stil möglich sein, wenn viele Menschen geimpft und die Quarantänepflichten aufgehoben worden sind. Diese Reisen sind allerdings durch die Zu- und Abbringerflüge sehr planungsaufwendig. Deshalb ist davon auszugehen, dass das Jahr 2021 für die Reisebranche ein Übergangsjahr wird. Massentourismus wird nicht im Ausland, sondern vor Ort in Naherholungsgebieten stattfinden. Der Deutschlandurlaub wird ein vollwertiger Ersatz für den mehrwöchigen Jahresurlaub. Reiseveranstalter müssen daher in Bezug auf die gegenwärtige Lage flexibel agieren. Kostenlos umbuchbare und stornierbare Angebote, Last-Minute-Buchungen sowie ein umfassendes digitalisiertes Sicherheitskonzept werden unabdingbar sein.

Mobilität

Einhergehend mit dem stark eingegrenzten Tourismus und dem Ausbleiben geschäftlicher Reisen gab es erhebliche Einbrüche in der Luftfahrtbranche. Diese konnten auch nicht durch den zunehmenden Frachtbereich kompensiert werden, da auch Frachtkapazitäten in den Passagierflugzeugen in großem Maße weggefallen sind.

Die Luftfahrt befindet sich in einer tiefgreifenden Krise.

Die Luftfahrt befindet sich in einer tiefgreifenden Krise und wird sich laut der IATA voraussichtlich erst 2024 wieder auf das Vorkrisenniveau erholen können – wobei bei den Kurz- und Mittelstrecken von einer deutlich schnelleren Erholung auszugehen ist als auf der Langstrecke. Besonders die bei Geschäftsreisenden stark frequentierten Langstrecken über den Atlantik und nach Asien werden nicht so schnell zur alten Auslastung zurückkehren, da sich das Reiseverhalten gerade im Geschäftskundenbereich nachhaltig ändern wird. Da die Nachfrage nach Langstrecken erst zögerlich wieder anziehen wird, sind gerade die Carrier aus dem Nahen Osten die Leidtragenden, da diese im Wesentlichen eine Langstreckenflotte unterhalten und auch nur diese bedienen.

In der Folge der eingebrochenen Passagierzahlen leiden die Flughäfen aktuell massiv. Besonders die mittelgroßen und kleineren Flughäfen haben große Probleme und sehen sich mit einer Insolvenz konfrontiert.

Die Corona-Krise hat generell das Mobilitätsverhalten der Gesellschaft verändert. Die Angst vor einer Ansteckung und der Fokus auf die Gesundheit sind im Mobilitätssektor wichtige Faktoren bei der Wahl des Fortbewegungsmittels. So sind weltweit in Großstädten die Nutzerzahlen vom öffentlichen Nahverkehr um 70-90% gesunken. Hygienisch sichere Transportmittel wie Privatfahrzeuge oder Ride-Sharing haben deutlich an Beliebtheit gewonnen. Allerdings gab es auch hier aufgrund von vermehrtem Remote-Working und ausbleibenden Reisen (sowohl geschäftlicher als auch privater Natur) eine geringere Inanspruchnahme. Lediglich Bike-Sharing-Anbieter konnten ihre Umsätze im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr steigern. Laut einer Umfrage von McKinsey wollen die Befragten auch nach der Krise weiterhin vermehrt das Rad nutzen oder laufen. Die Nachfrage für den ÖPNV wird wieder steigen, wenn zunächst auch nicht auf Vorkrisen-Niveau. Auch Shared Micromobility, E-Hailing und Car-Sharing werden wieder an Popularität gewinnen. Der Mobilitätssektor kann jedoch nicht davon ausgehen, dass sich alles wieder auf Vorkrisenniveau normalisiert, sondern muss sich zu den sowieso bereits bestehenden Trends in der Branche überlegen, was die neue Normalität sein wird.

Diese bereits bestehenden Trends sind als CASE oder auch ACES bekannt: Autonomes Fahren, Konnektivität, Elektrifizierung und Shared Mobility. Fahrzeuge tauschen immer mehr Daten aus. Im Moment überwiegen noch Entertainment und praktische Angebote wie digitales Radio oder Navigationssysteme. Aber auch Funktionen im Bereich Wartung und Sicherheit werden immer relevanter. Zur Zukunft der Branche zählt auch der geplante „Datenraum Mobilität“. Diese Daten stellen nicht nur eine wichtige Voraussetzung beim autonomen Fahren dar, sondern sollen auch moderne Mobilitätsdienste ermöglichen, die Bus, Bahn und Auto besser miteinander verbinden. In den Bereich der Shared Mobility fallen Car-Sharing, Ride-Sharing, Ride-Hailing, Micromobility und Micro-Transit. Konsumenten suchen einen praktischen Zugang zur Mobilität, um von A nach B zu kommen. Dabei wird der Besitz eines Privatfahrzeuges immer mehr als eine Last betrachtet, da Bequemlichkeit und Flexibilität eine immer größere Rolle spielen. Ein direkter Zugriff auf verschiedene Mobilitätsdienste mit einfachen Bezahlsystemen bietet hier eine gute Möglichkeit. Zudem entfallen für den Konsumenten ein hoher anfänglicher Kapitalaufwand sowie das Auseinandersetzen mit Versicherungen, Wartungen und Reparaturen. Dieser Trend gilt allerdings überwiegend im urbanen Raum. In ländlichen Gegenden bleibt das Privatfahrzeug nach wie vor das beliebteste Transportmittel, da entsprechende Alternativen aus wirtschaftlichen Gründen fehlen. Der wohl größte und auch am meisten durch die Politik geförderte Trend ist die Elektrifizierung, die als die Zukunft der Mobilität gilt. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, wird die Emission von Treibhausgasen auf ein Minimum gedrängt. Dabei wird auf alternative, emissionsneutrale bzw. emissionsarme Antriebe gesetzt.

Mobilität verändert sich mit großen regionalen Unterschieden.

Automobilbranche

Die Automobilindustrie wird von der Politik durch neue Abgasvorschriften immer stärker zum Wandel gezwungen. Ab 2021 gilt ein neuer Zielwert für Pkw-Neuwagenflotten von 95g CO2 je Kilometer, was effektiv einem Durchschnittsverbrauch von 4,1 Litern Benzin bzw. 3,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer entspricht. Um auch langfristig die CO2-Flotten- und Sektorziele zu erreichen, muss ein erheblicher Anteil der Neuwagenflotte elektrifiziert werden. Das hat zur Folge, dass nicht nur eine erhebliche Subventionierung (Umweltbonus, Innovationsprämien, Steuerbefreiungen etc.) durch die Politik, sondern auch durch die Hersteller selbst für elektrische bzw. teilelektrische Modelle erfolgt. Die Förderungen und der beschlossene Ausbau der Ladeinfrastruktur tragen Früchte: Der Automobilumsatz ist 2020 im Vorjahresvergleich um rund 20% gesunken, doch der Autoabsatz für E- und Hybridfahrzeuge boomte.

Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt.

Die Lieferfristen für diese Modelle sind bei allen Herstellern gleichermaßen deutlich länger als bei vergleichbaren Modellen mit Verbrennungsmotor. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau wird erst 2025 erwartet und auch dann dürfte durch den gestiegenen Anteil von Elektrofahrzeugen die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren deutlich geringer ausfallen. Autohersteller müssen daher ihre Kapazitäten vom traditionellen Verbrenner-Automarkt zum E-Auto-Markt umwälzen. Dies wird auch dadurch verstärkt, dass zukünftig in einigen Ländern der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor untersagt ist. VW will 2026 die Entwicklung von Verbrennungsmotoren einstellen und Mercedes und BMW stellen ihr Geschäft so auf, dass sie in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts auch ihren Fokus auf den Elektroantrieb legen.

Mit fortschreitender Digitalisierung der Fahrzeuge erweitern die Hersteller ihre Wertschöpfungsmöglichkeiten. So werden Fahrzeuge zum Teil mit Vollausstattung ausgeliefert und der Nutzer kann selbst situativ die Funktionen von Ausstattung wie Sitzheizung, Kurvenlicht, autonomes Fahren etc. im Abo-System hinzubuchen. Dies wird den Gebrauchtwagenmarkt ebenfalls nachhaltig ändern, da das Angebot deutlich größer wird.

Auch bei der Zuliefererindustrie macht sich der Strukturwandel bemerkbar. Für Elektroantriebe werden gänzlich neue und auch weitaus weniger und nicht so kostenintensive Bestandteile benötigt. Insbesondere Zulieferer, die auf Motorblöcke oder Komponenten von Verbrennungsmotoren spezialisiert sind, müssen rechtzeitig ihr Geschäftsmodell anpassen. In früheren Jahren war die entscheidende Komponente eines Fahrzeugs die Hardware. Diese wird zukünftig immer trivialer und die Wertschöpfung ist massiv von der Software abhängig. Mit Abo-Modellen von Zusatzausstattung oder auch völlig neuen Angeboten wie Video-Streaming und Shopping, wenn die Fahrzeuge autonom fahren, eröffnen sich ganz neue Wertschöpfungsmöglichkeiten. Apple hat vorgemacht, wie durch den Verkauf von Apps auch nach dem eigentlichen Verkauf der Hardware mit der Software weiterhin viel Geld verdient werden kann. Hier müssen die Automobilhersteller aufpassen, dass sie nicht von den Tech-Unternehmen abgehängt und zum reinen Zulieferer degradiert werden. Die Mobilität der Zukunft zeichnet sich durch Vernetzung, Sicherheit und Komfort aus. Die Hardware bleibt zwar auch weiterhin wichtig, aber die Software wird ausschlaggebend im Wettbewerb sein.

Autohäuser haben zusätzlich zu dem Strukturwandel in der Automobilbranche noch mit der zunehmenden Digitalisierung des Handels zu kämpfen. Onlinehandel und Abo-Modelle spielt auch beim Autokauf eine immer relevantere Rolle, weswegen der stationäre Autohandel weiter an Bedeutung verlieren wird. Hersteller übernehmen zunehmend das Neuwagenflottengeschäft selbst und auch der Gebrauchtwarenhandel spielt sich immer mehr auf Online-Plattformen ab. Die Veränderung des Autohandels findet regional bedingt unterschiedlich schnell statt. Im urbanen Raum werden sich Händler vermehrt zu Allianzen zusammenschließen und zunehmend versuchen, sich unter eigener Marke sowohl online als auch offline als herstellerunabhängiger Anbieter verschiedener Marken zu etablieren.

Der stationäre Autohandel wird weiter an Bedeutung verlieren.

In sogenannten Megastores können Kunden dann Produkte und Preise vergleichen. Auch das Auftreten als Agenten von Herstellern, die im Rahmen des Direktvertriebes Aufgaben wie Probefahrten oder Fahrzeugübergaben übernehmen, wird künftig mehr vorzufinden sein. Wichtig ist die Fokussierung auf selektive Interaktionspunkte mit den Kunden zur Steigerung der Kundenzufriedenheit und zur Verbesserung des Kundenerlebnisses. Auf dem Land wird die Veränderung deutlich langsamer voranschreiten. Grund hierfür sind die geringe Mobilitätsdichte und die niedrigeren Immobilien- und Mietpreise der Autohäuser. Auch hier wird es einen Wandel hin zu Multimarkenhändlern geben, dennoch wird das Händlernetz ausdünnen, da es an Attraktivität mangelt. Da immer mehr Menschen – insbesondere im städtischen Bereich – aufgrund eines breiten Mobilitätsangebots auf ein eigenes Auto verzichten, sollte sich der Autohandel vom Neu- und Gebrauchtwagenverkauf hin zum Mobilitätsvertrieb entwickeln. Viele Händler werden neue Geschäftsmodelle wie eigene Car-Sharing-Angebote oder Abo-Modelle aufnehmen. Es findet eine zunehmende Konzentration statt und es wird erwartet, dass 2025 bis zu 50% der Händler vom Markt verschwunden sind.

Energie

Um ein neues Langfristziel der Treibhausgasneutralität vor dem Jahr 2050 in Deutschland zu verankern, trat am 01. Januar 2021 die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll planungsmäßig bis zum Jahr 2030 65% betragen. Aus dieser Kausalität rechnen Übertragungsnetzbetreiber mit einem Ausbau der erneuerbaren Energien um 5 GW und somit mit einer Steigerung der Stromerzeugnisse. Zudem wird der europäische Emissionshandel in die vierte Phase übergehen. Um die Energiewende durchführen zu können, muss der Netzausbau weiter voranschreiten. Seit Jahren regt sich Widerstand gegen den Bau der notwendigen Stromtrassen. Ein weiterer Punkt, der die Energiewirtschaft im kommenden Jahr beschäftigen wird, ist die Fertigstellung der deutsch-russischen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2. Die US-amerikanische Regierung ist im Bestreben, die Vollendung der Gasleitung zu verhindern.

Die Impfstoffforschung steht auch 2021 weiterhin im Mittelpunkt.

Pharma und Chemie

Die Suche nach geeigneten Impfstoffen gegen das SARS-CoV-2 Virus und deren Verteilung stehen weiterhin in 2021 im Mittelpunkt. Seit dem 21. Dezember 2020 ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer, seit dem 06. Januar 2021 auch der Impfstoff von Moderna offiziell in der EU zugelassen. Einige Unternehmen haben bereits angekündigt, ihre Produktionskapazitäten für einen Corona-Impfstoff auszuweiten, um eine möglichst zügige und flächendeckende Versorgung zu ermöglichen. Doch nicht nur Unternehmen, die mit der Herstellung des Impfstoffes beschäftigt sind, profitieren von der Pandemie, sondern es werden weiterhin alle, die Corona-bezogene Produkte wie z.B. Schnelltests oder Desinfektionsmittel anbieten, steigende Umsätze verzeichnen.

Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Es wird deutlich, dass sich Digitalisierung und Nachhaltigkeit weiterhin als Megatrends durch alle Bereiche ziehen. Die Krise hat die Prozesse und Wichtigkeit dieser Thematiken teils nur noch stärker hervorgehoben. So sind digitalisierte Unternehmen im Schnitt besser durch die Krise gekommen und konnten sich schneller auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Durch den Stillstand bzw. das starke Herunterfahren einiger Produktionen und des Verkehrs ist deutlich geworden, wie schnell sich die Luftqualität durch den geringeren Ausstoß von Schadstoffen erholen konnte.

Das Thema Nachhaltigkeit hat im Zeichen der Neo-Ökologie in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Vor allem die jüngere Gesellschaft legt mehr Wert auf nachhaltige und ressourceneffiziente Produkte für einen schonenden Umgang mit der Umwelt und das Eindämmen des Klimawandels. Wegen der zunehmenden Verschmutzung der Weltmeere und Landschaften durch nicht biologisch abbaubare Materialien gibt es beispielsweise ab dem 3. Juli 2021 ein EU-weites Verbot von bestimmten Einwegprodukten aus Plastik. Dazu zählen u.a. Wattestäbchen, Besteck, Teller, Strohhalme, Rührstäbchen, Getränkebecher und Lebensmittelbehälter aus Styropor. Auch die Verminderung von Treibhausgasemissionen und damit das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele des Pariser Klimaabkommens bis 2030 wird stark gefördert.

Die Digitalisierung hat im Rahmen der Corona-Krise weiter an Bedeutung gewonnen. Das für das Jahr 2021 prägende Thema der Resilienz findet sich in einem beschleunigten Wandel vieler Prozesse wieder. Cloud Computing ermöglicht standortunabhängiges Arbeiten und wird stärker als zuvor nachgefragt. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und die vor allem in der Industrie 4.0 voranschreitende Automatisierung von Fertigungsarbeiten sollen Prozesse effizienter, weniger fehleranfällig und kostengünstiger machen. Nicht wenige Berufe werden im Zuge der Digitalisierung nicht mehr benötigt. Nach Berechnungen der OECD waren in 2019 bereits knapp 20% der Arbeitsplätze in Deutschland durch zunehmende Automatisierung gefährdet.  

Die Digitalisierung gewinnt weiter an Bedeutung.

Krisengewinner/-verlierer

Digitalisierung ist nur einer der Gründe, aus denen die Technologiebranche als ein klarer Gewinner der Corona-Krise hervorgeht. Unternehmen werden zukünftig weiter ihre IT aufrüsten, um standortunabhängiges Arbeiten zu ermöglichen und besser auf solche Situationen reagieren zu können. Zudem boomt die Nachfrage nach Augmented und Virtual Reality, E-Games, E-Sports sowie E-Commerce. Damit dürfen sich die Technologieunternehmen wie Amazon, Google, Apple, Facebook und Microsoft zu den größten Gewinnern zählen.

Ebenfalls kann die Pharmabranche zu den Gewinnern der Krise gezählt werden. Sie hat gegenüber wirtschaftlichen Herausforderungen bereits in vorherigen Krisen eine hohe Resilienz gezeigt, mitunter aufgrund der Tatsache, dass sie sich gut über ihre Subsektoren diversifizieren kann.

Klare Verlierer dagegen sind sämtliche Branchen, die von den Lockdowns und öffentlichen Beschränkungen betroffen waren. Dazu zählen der stationäre Handel, Tourismus, Gastgewerbe, Messen sowie auch Veranstalter. Vorübergehende Schließungen oder eingeschränkter Betrieb durch vorgeschriebene Hygienemaßnahmen haben zu deutlichen Umsatzeinbußen geführt.

Langfristige Herausforderungen

Langfristig betrachtet wird sich Deutschland weiterhin mit einem sinkenden Produktivitätswachstum auseinandersetzen müssen. Faktoren wie die zunehmende Digitalisierung, der demografische Wandel sowie die klimatischen Strukturänderungen werden neue Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse veranlassen, die zu tiefgreifenden Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur und auf dem Arbeitsmarkt führen. Die deutsche Wirtschaft muss diese Herausforderungen annehmen und in Chancen umwandeln. 

SanInsFoG und StaRUG

Die Covid-19-Pandemie beschäftigt nach wie vor unseren Alltag und führt zur schwersten Wirtschaftskrise seit Jahren. Um dem entgegenzuwirken, wurden diverse Unterstützungen und Soforthilfen seitens der Politik auf den Weg gebracht. Dennoch erwarten viele Experten nach aktuellen Umfragen eine zeitnah steigende Zahl von Unternehmenssanierungen und Insolvenzen.

Um Unternehmen in der aktuellen Phase weiter zu stützen und eine mögliche zukünftige Insolvenz abzuwenden, wird zurzeit das „Gesetz zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts“ (SanInsFoG) auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf war am 18. November 2020 in der ersten Lesung im Bundestag und wird im Rechtsausschuss am 25. November 2020 diskutiert. Geplant ist eine Einführung zum 01. Januar 2021, auch wenn mittlerweile Stimmen aus der Politik den 01. April 2021 für Teile des sehr umfangreichen Gesetzes als realistischeres Ziel ansehen.

Was ist der Kern des SanInsFoG?

Was ist der Kern des SanInsFoG?

Ein wesentlicher Schwerpunkt ist der Blick auf die Tragfähigkeit der Verbindlichkeiten. Viele Unternehmen, die z.B. Sonderkredite der Förderbanken bekommen haben, müssen sich möglicherweise in den nächsten Jahren mit der Restrukturierung der Passivseite auseinandersetzen, da das Geschäftsmodell nach der Covid-19-Pandemie anders als erwartet nicht die vollständige Kapitaldienstfähigkeit ermöglichen kann.

Hierzu gibt es zwei Kernelemente:

  • Die Insolvenzantragspflicht aufgrund Überschuldung ist bis Ende Dezember 2020 ausgesetzt, sofern diese aus der Covid-19-Pandemie resultiert. Mit Wiedereinsetzen der Insolvenzantragspflicht zum 01. Januar 2021 – die Antragspflicht wegen Zahlungsunfähigkeit greift bereits wieder seit dem 01. Oktober 2020 – wird es eine Erleichterung der Anforderung an die Fortbestehensprognose geben: Der Liquiditätsprognosezeitraum soll nur noch zwölf Monate bzw. vier Monate bei durch die Covid-19-Pandemie bedingtem Umsatzrückgang um > 40% in 2020 betragen.
     
  • Auf der anderen Seite wird die persönliche Haftung von Geschäftsführern bzw. Vorständen vor Eintritt der Insolvenzreife deutlich verschärft. Unternehmen müssen zukünftig die nächsten 24 Monate durchfinanziert sein, damit die Interessen der Gläubigergesamtheit gewahrt bleiben. Wenn eine Finanzierungslücke nicht rechtzeitig erkannt wird oder Sanierungsmaßnahmen im Nachhinein nicht wie erhofft greifen, haftet der Geschäftsführer persönlich. Geschäftsführer müssen sich somit frühzeitig bei drohender Zahlungsunfähigkeit mit ihren Handlungsoptionen auseinandersetzen.
Wie müssen Geschäftsführung / Vorstand künftig reagieren?

Wie müssen Geschäftsführung / Vorstand künftig reagieren?

Zum einen müssen die Organe des Unternehmens mit Wirksamkeit des Gesetzes die Durchfinanzierung sicherstellen. Daher ist bereits spätestens jetzt der Aufbau einer aussagekräftigen Liquiditätsplanung für das laufende und die beiden folgenden Geschäftsjahre erforderlich, da laufend die kommenden 24 Monate überwacht werden müssen. Wenn sich hieraus Liquiditätslücken aufgrund steigenden Bedarfes oder auslaufender Finanzierungen ergeben, besteht die Pflicht zur Lösung im Sinne der Gläubiger – somit höchstens gleichberechtigt im Sinne der Gesellschafter. Die Transparenz in Form einer Dreijahresplanung, die Erarbeitung von Finanzierungslösungen und die Kommunikation mit den Finanzierern und ggf. den übrigen Gläubigern werden unerlässlich und haftungsrelevant.

Zum anderen bringt das SanInsFoG auch das neue Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) mit, womit der von der EU geforderte präventive Restrukturierungsrahmen in nationales Recht umgesetzt wird. Dieser gibt Unternehmen, die grundsätzlich ein funktionierendes Geschäftsmodell haben, ein neues Instrument zur Sanierung an die Hand. Ohne das Stigma der Insolvenz kann im Rahmen der Mehrheitsbildung eine (bilanzielle) Sanierung erfolgen. Neben der Beendigung von Vertragsverhältnissen und der Überstimmung von einzelnen sanierungsunwilligen Gläubigern sind zukünftig auch weitere Maßnahmen möglich, die aktuell nur im Rahmen eines Insolvenzverfahrens genutzt werden können.

Nähere Informationen zu den Inhalten des SanInsFoG sowie den geplanten Neuerungen des StaRUG erhalten Sie komprimiert und übersichtlich direkt hier in unserem Sonderkapitel zum Thema.

Videokurs: Strategische To-dos für die Automobilbranche

Tiefgreifende und strukturelle Veränderungen erwarten den Automobilhandel und es gilt nun, als Geschäftsführer das Unternehmen sicher durch die Krise zu führen. Welche Handlungsfelder und Stolpersteine es dabei gibt, zeigt Jens Sickendieck, Sanierungs- und Restrukturierungsberater bei comes.

Auf AUTOHAUS next beleuchtet er sowohl die wichtigsten To-dos bei der strategischen Positionierung als auch die Sicherung der Finanzkraft. Lernen Sie im Videokurs beispielsweise die Bedeutung eines integrierten Finanzplans kennen und was Sie dabei auf keinen Fall vergessen dürfen.

Weitere Infos zum Videokurs

Weitere Verstärkung für das Hamburger Team

Neue Mitarbeiter für das Hamburger Team

Steffen Völkel ist im Oktober als Senior Berater im Hamburger Büro gestartet.

Im Anschluss an seinen MBA und Master-of-Finance-Abschluss in den USA war er für knapp vier Jahre als Controller bei einem namhaften Automobilzulieferer tätig.

Steffen Völkel wird schwerpunktmäßig in den Bereichen Sanierung und Planung/Konsolidierung tätig sein.

Seit September dieses Jahres unterstützt Helen Ewerding als Analystin das Team von comes am Standort Hamburg.

Während ihres interdisziplinären Studiums im Bereich Mode- und Designmanagement hat Frau Ewerding bereits ein Praktikum bei einer namhaften Hamburger Einzelhandelskette absolviert.

Seit Anfang Oktober ist Tade Hansen  als Analyst ein Teil des Hamburger Teams.

Im Sommer schloss er erfolgreich seinen Bachelor of Science in Betriebswirtschaftslehre an der WWU Münster ab. Vor dem Studium konnte er in Form einer kaufmännischen Ausbildung bereits einige Berufserfahrung in der Automobilindustrie sammeln. Zudem absolvierte Tade Hansen ein Auslandspraktikum in den USA in diesem Bereich.

comes-Teamevent 2020

Jour fixe
Barbecue
Escape the City
Barbecue

Der Tag wurde von allen Mitarbeitern mit einem großen Jour fixe im Gastwerk begonnen. Mit gebührendem Abstand zueinander haben sich nach langer Zeit die KollegInnen aller Niederlassungen wieder einmal persönlich getroffen, um gemeinsam zu arbeiten.

 
Nachmittags haben sich alle in Kleingruppen zusammengefunden, um sich bei "Escape the City" zu beweisen. Im Spiel mussten diverse Rätsel gelöst, Codes geknackt und Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden. Hamburg-Bahrenfeld diente dabei als Open-Air-Escape-Room.

Anschließend haben wir den Tag mit einem großen BBQ und tollen Gesprächen am vermutlich letzten lauen Sommerabend Hamburgs ausklingen lassen.
 
Ein rundum gelungener Tag!

Erfolgreiche Spendenaktion

Scheckübergabe vor dem Bauwagen

Im Zuge der seit ein paar Jahren wiederkehrenden Benefiz-Party der Tuesbrassers in Oldenburg werden alle Einnahmen für einen konkreten Zweck gespendet. In diesem Jahr kamen 2.500 € aus Eintrittsgeldern und privaten Spenden zusammen. Diese wurden an den Verein "pro liberis" übergeben, der sich für teils schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche einsetzt. Das Geld soll für die Instandsetzung eines Bauwagens auf einem Abenteuergelände eingesetzt werden, damit die Kinder und Jugendlichen dort einen Rückzugsort haben.

Im Bild (v.l.): Uwe Brake (MK Siemer Tortechnik), Imme Helpertz (pro liberis), Dr. Bernhard Becker (comes Unternehmensberatung), Heike Gunske (pro liberis) und Josef Kempen (The Tuesbrassers). Das Bild entstand noch vor Corona.

Die Krise als Chance verstehen – wie der Autohandel den Strukturwandel aktiv gestalten kann

Lässt sich die Automobilbranche neu interpretieren?

Individuelle Mobilität bedeutet Freiheit, die jedem Menschen zusteht und zugänglich gemacht werden muss. Der Anspruch der Politik wie auch der Mobilitätsindustrie – Auto-, Flug- und Bahnverkehr wie auch alle anderen Mobilitätsanbieter gleichermaßen – muss es sein, diese Freiheit für die Menschen zu schützen, die sie bereits haben, sie für jene zu eröffnen, die sie sich wünschen oder benötigen, und sie auch für kommende Generationen zu sichern.

Der Automobilhandel in Deutschland steckt seit Langem in der Krise: Zuerst ist durch den Dieselskandal viel Vertrauen bei Öffentlichkeit und Kunden verloren gegangen. Die ehemalige Vorzeigeindustrie Deutschlands hatte praktisch über Nacht ihren Sympathiebonus verspielt. Danach haben anhaltende Diskussionen über CO2-Grenzen, mögliche Fahrverbote in Innenstädten und eine groß angekündigte (aber bisher ausgebliebene) Mobilitätswende hin zur Elektromobilität zu einer Verunsicherung bei den Verbrauchern geführt. Verschobene Fahrzeuganschaffungen und damit sinkende Verkaufszahlen ließen die ohnehin schon schmalen Margen im Handel weiter bröckeln – nicht zuletzt auch befeuert durch die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet von Online-Vermittlern und unabhängigen Leasinggesellschaften. Das Geschäft befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale: um Boni oder Zielprämien zu erreichen, müssen immer größere Stückzahlen vermarktet werden. Die Lagerbestände werden dabei immer weiter hochgefahren, die Liquidität maximal ausgelastet. Damit steigt die Krisenanfälligkeit der Unternehmen. Sobald der Markt nur leicht schwächelt, müssen die Bestände reduziert, die Fahrzeuge verkauft werden – koste es, was es wolle. An der Börse nennt man dieses Phänomen „Margin Call“ – der Zeitpunkt, an dem alle verkaufen müssen, um ihre Mindestmarge zu halten und die Preise ab da nur noch einen Weg kennen – abwärts.

Verlauf Absatzzahlen

Die jungen Käuferschichten brechen gerade weg, weil der Sinn für diese Art der Mobilität nicht mehr verstanden wird. Gerade in den Städten verzichten immer mehr Menschen auf das eigene Auto und nutzen einen individuellen Mix aus Car Sharing, Ride-Hailing-Bussen und Bahnen, Leihrädern oder E-Scootern. Das eigene Auto wird hier zur Last: die Anschaffung eines Neuwagens lohnt sich für Privatpersonen kaum noch, denn der wirtschaftliche Verfall ist enorm. Darüber hinaus stellen auch die Haltungskosten eine Belastung dar. Der Kosten-Nutzen-Verhältnis wird zunehmend unausgeglichener. Wer jüngst in den Innenstädten einen Parkplatz gesucht hat, versteht zudem auch den Ärger, den das Autofahren in der Stadt regelmäßig bereitet.

Weniger Autofahren bedeutet nicht, dass die Menschen weniger mobil sind. Im Gegenteil: Die Zahl der zurückgelegten Kilometer pro Person stieg in den vergangenen Jahren stetig. Diese Trendrichtung wird in den kommenden Jahren anhalten. Mobilitätsdienstleister sind erfolgreich, wenn sie technologisch up to date, ökologisch nachhaltig und leistbar sind, im Ride Sharing, dem On-Demand-Mobilitätsangebot oder bei der Anschaffung des Familienwagens. Gewinnen werden jene, die es am besten verstehen, Mobilitätsdienstleistungen in ökologisch umgesetzten Geschäftsprozessen zu bündeln. Die Antriebskraft wird zweitrangig. Zählen wird die nachweislich nachhaltige Umsetzung des am einfachsten zu erwerbenden und preislich attraktivsten Angebot am jeweiligen Markt.

Marktindikatoren

Für den Automobilhandel bedeutet dies, sich vom Neu- und Gebrauchtwagenverkäufer zum Mobilitätsvertrieb zu entwickeln. Erfolgreiche Anbieter messen sich 2025 nicht mehr nur an der Anzahl der verkauften Fahrzeuge, sondern auch am Gewinn pro Personenkilometer – für die meisten ein völlig neues Konzept. Das Auto der Zukunft ist ein Fahrzeug on Demand, das selbständig dorthin fährt, wo es gebraucht wird.

Der Autohandel muss sich neu erfinden

Es gilt, die Mauer zwischen dem Online- und dem Offline-Geschäft im Automobilhandel einzuschlagen und beide Vertriebswege miteinander zu verknüpfen. Der physische Touchpoint des Autohauses bringt das Markenerlebnis auf dem Punkt. Jedoch werden neue Konzepte für einen Omnichannel-Handel relevanter, Kreativität und Abwechslung ist gefragt: Ein Pop-Up-Store, ein Shop-in-Shop, ein Outdoor-Showroom oder ein Mobility-Shop, in welchem unterschiedliche Mobilitätsangebote zur Verfügung stehen. Dem Autohandel wird Einfallsreichtum abverlangt, der zumeist fehlt. Ideenreiche Händler wie das Autohaus König aus Berlin, welches seit dem 08. Juni seine Fiat-500-Modelle über den Elektrohändler Media Markt anbietet, sind eine Seltenheit.

Das genannte Beispiel erschlägt gleich zwei grundlegende Probleme des Autohandels: Die Schwierigkeit, Zugang zum von der digitalen Einkaufskultur geprägten Kunden zu erhalten einerseits, und andererseits den Kaufprozess als anregende Customer Journey zu gestalten, welche die Online-Kanäle (derzeit noch primär in der Informationsphase genutzt) und die Offline-Kanäle (wie Probefahrt, Verkaufsgespräch oder die Servicetermin-Vereinbarung) durchgängig und optimal verknüpft. Datenbrillen, virtuelle Showrooms und / oder Videoberatungen füllen die Autohäuser nicht, erzeugen jedoch Aufmerksamkeit und treiben den bequemen Kunden von der Couch. Schon längst müssten diese Angebote zum Standard-Repertoire der Händler gehören. Die Herausforderung besteht darin, Digitalisierung als ganzheitliche Strategie für das gesamte Unternehmen und nicht nur als Ansammlung vereinzelter Maßnahmen zu sehen. Ein zukünftiges Geschäftsmodell sollte deshalb die Frage beantworten, welche Absatzkanäle morgen überhaupt noch existieren und über welche neuen digitalen Kanäle das Unternehmen seine Produkte und Dienstleistungen anbieten kann. In der Praxis stellen sich jedoch immer noch zu wenige Autohaus-Unternehmer diese Fragen. Der Grund liegt vielfach in einem Generationen-Thema: die aktive Führungsmannschaft entstammt oftmals einer alten Industriewelt, in der der Hersteller vom Band schickte, was der Handel verkaufen sollte. In der neuen, digitalen Welt bestimmt jedoch der Kunde, was er wann / wo / von wem kauft.

Bereits heute treiben verschiedene Marken eine Netzkonsolidierung voran und versuchen, die Anzahl ihrer Partnerhändler zu reduzieren. Im urbanen Raum werden neue Formate das klassische Autohaus Schritt für Schritt ersetzen. Da die Margen weiter schrumpfen, werden sich Autohändler zusammenschließen, um einerseits von Größenvorteilen zu profitieren und andererseits die nötigen finanziellen Mittel für Investitionen in die Zukunft aufbringen zu können. Diese Händlerallianzen werden zunehmend versuchen, eine eigene Marke aufzubauen, diese online und offline als Plattformen zu etablieren und sich als Anbieter verschiedener Marken von den Herstellern unabhängiger zu machen. Damit gleichen sich Autohändler den Supermärkten an, ein Geschäft, das von einigen wenigen Riesen dominiert wird.

Megastores als Markt der Zukunft?

In sogenannten Megastores kann der Neuwagenkunde Produkte und Preise markenübergreifend vergleichen. Er findet damit die gewohnte Transparenz aus der digitalen Welt an einem physischen Ort wieder. Der Unterschied zum Internet: Megastores und Markenboutiquen punkten immer auch mit hochwertiger Beratung, die zumindest mittelfristig bei einem technologisch immer anspruchsvoller werdenden Produkt (insbesondere in der Mensch-Maschine-Kommunikation) von hoher Relevanz sein wird. Soweit die Theorie.

Die Unternehmer müssen jetzt handeln

Die Corona-Krise offenbart ein weiteres Problem der geringen Reserven: bundesweit mussten Autohäuser ihre Verkaufsräume für mehrere Wochen schließen. Etwa 70% der Betriebe hatten nach einer Umfrage des ZDK zwischenzeitlich Kurzarbeit angemeldet. Für Verkaufspersonal lag der Anteil sogar bei 90%. Das vorrangige Ziel lautete: Liquidität sichern um jeden Preis. Trotzdem fehlte den meisten Unternehmen schlicht die finanzielle Basis, um längere Umsatzausfälle durch eigene Mittel auffangen zu können. Im zurückliegenden Jahr lag die Rendite im Branchenschnitt bei gerade einmal 1,4% – in einem Umfeld mit hohem Investitions- und Kapitalbedarf zu wenig, um ausreichend Eigenmittel für Notlagen aufzubauen. Viele Betriebe sind deshalb nicht in der Lage, eine stabile Eigenkapitalquote von mindestens 25% aufzubauen und sind in der Folge zu stark von Fremdkapitalgebern abhängig. Wenn auch nur eine Bank die Kredite fällig stellt, bedeutet das für viele Unternehmen das Aus.

Die Unternehmer müssen jetzt handeln

Der große Rest unterhalb der TOP-10-Handelsgruppen muss sich jedoch die Frage stellen, wie es nach Corona weitergehen soll. Die aktuelle Krise sollte als Chance begriffen werden, die eigene Situation schonungslos zu analysieren und die notwendigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Dabei sollten alle wichtigen Anspruchsgruppen involviert werden: das umfasst Inhaber/Gesellschafter, die Geschäftsführung sowie die wichtigsten Kapitalgeber. Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kann eine tragfähige Lösung erreicht werden.

Die sich bietenden Handlungsoptionen sind so vielfältig wie die einzelnen Unternehmenssituationen, es gibt kein Patentrezept für alle. Dennoch lassen sich fünf strategische Initiativen identifizieren, mit deren Hilfe Autohaus-Unternehmer heute starten sollten, um den Anschluss an morgen nicht zu verpassen:

Bewusstsein für Veränderungen schaffen: Herbert Diess arbeitet nach dem Motto „Aus der Sicht des Kunden denken! Es ist mein Unternehmen! Höchster Maßstab für mich und meine Mitarbeiter! Wirkung erzielen! Konzentration auf das Wesentliche! Mit weniger Mitteln mehr erreichen! Neu denken und vereinfachen! Rückgrat, Mut und Ausdauer! Aufrichtig sein! Positiv denken!“

Die anstehende Transformation wird zu tiefgreifenden Veränderungen in Hinblick auf Arbeitsformen, Organisationsstrukturen und Geschäftsmodellen führen. Der erste wesentliche Schritt ist, sich dessen bewusst zu werden und offen für einen Wandel zu sein. Vor allem gilt dies für die Unternehmensführung – sie muss dann im zweiten Schritt das ganze Unternehmen und alle Mitarbeiter auf den Wandel einstimmen und mit auf den Weg nehmen. Vielen klassischen Führungskräften liegt diese Form des Change Managements nicht – zu verschieden ist es von dem, was sie in der Vergangenheit gewohnt waren. An dieser Stelle kann ein Change Manager oder Coach von außen helfen, die Führungskräfte im Umgang mit der neuen Herausforderung zu schulen und zu unterstützen.

Strategische Positionierung prüfen: Die Margen im Automobilhandel werden weiter unter Druck geraten. Gleichzeitig sind hohe Investitionen in Digitalisierung, Infrastruktur und Mitarbeiter notwendig, um nicht den Anschluss zu verlieren. Jedes Unternehmen sollte seine individuellen Stärken und Schwächen hinterfragen und daraus seine Entwicklungschancen und mögliche Geschäftsrisiken ableiten. Bei der Strategiedefinition ist es wesentlich, nicht zu eingeschränkt zu denken, sondern möglichst offen zu sein für Neuinterpretationen der eigenen Rolle. So könnte man bspw. feststellen, dass es in einem Marktgebiet eine große Nachfrage nach Wohnmobilen gibt oder Unternehmen ein Interesse an geschlossenen Car-Sharing-Pools haben und dafür einen Servicepartner mit Wurzeln in der Region suchen. Beide Themen gehören nicht zum originären Autohaus-Geschäft, können aber mit der vorhandenen Kompetenz bedient werden.

Zukunftsfähigkeit garantieren: Der Wandel gelingt nicht sofort, sondern ist ein langer Weg. Um das Ziel im Morgen jedoch zu erreichen, müssen im Hier und Jetzt alle leistungswirtschaftlichen Prozesse auf den Prüfstand gestellt und optimiert werden (Operational Excellence). Dazu gehört auch eine Bewertung der eigenen Organisation und Führungsstruktur: Sind die richtigen Leute an Bord, um den Wandel einzuleiten und zu gestalten? Wenn nicht, müssen Gesellschafter und Geschäftsführung Maßnahmen einleiten, um die richtigen Leute an Bord zu holen. Gegebenenfalls benötigt man die Hilfe von erfahrenen Interim-Managern, die sich mit Krisensituationen auskennen und innerhalb kurzer Zeit der Mannschaft die nötige Dringlichkeit für die Situation vermitteln und die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen gewährleisten können.

Finanzierungskraft sichern: Neben Kostendisziplin und Effizienzsteigerungen ist eine ausreichende Kapitalausstattung ebenso wesentlich wie eine ausgeglichene Kapitalstruktur. Hier gilt es genau zu analysieren, wie die Verbindlichkeiten des Unternehmens strukturiert sind und ob Fristigkeit und nicht zuletzt Konditionen der einzelnen Finanzierungen dazu passen (Fristenkongruenz). Dies sollte zusammen mit Banken und Finanzierungspartnern organisiert werden. Hierzu ist es aber notwendig, zuerst die eigene strategische Richtung in Form eines belastbaren Businessplans zu definieren. Der Businessplan sollte einen Zeithorizont von fünf Jahren abdecken und verschiedene Szenarien sowie eine integrierte Planungsrechnung aus Bilanz, Gewinn- und Verlust-Rechnung sowie Liquiditäts- und Cashflow-Planung enthalten.

Die Zukunft aktiv gestalten: Es gibt zahlreiche Gründe, warum kein langfristig tragfähiges Konzept zustande kommt: trotz Anpassungen erscheint die eigene Marktposition nicht mehr wettbewerbsfähig, es kann keine ausreichende Finanzierung für die notwendigen Investitionen in das neue Geschäftsmodell sichergestellt werden oder die Gesellschafter wollen den Weg nicht mehr mitgehen. In all diesen Fällen ist es wichtig, aktiv über verschiedene Alternativen nachzudenken, um den Unternehmenswert bestmöglich zu erhalten: das können Zusammenschlüsse oder Fusionen mit Wettbewerbern sein, erweiterte Kooperationen oder auch die Einleitung eines strukturierten Nachfolgeprozesses bis hin zu einem Verkauf des Unternehmens.

Umbruch erfordert Innovationsbereitschaft

Den Umbruch im Autohandel zu meistern erfordert Innovationsbereitschaft, Mut zum unternehmerischen Handeln, aber auch Analysegeschick und eine gewisse Sachlichkeit den Fakten gegenüber. Es empfiehlt sich daher, seine strategische Neuausrichtung zusammen mit einem neutralen Berater zu erarbeiten, der nicht in die betrieblichen Strukturen eingebunden ist und einen unverzerrten Blick auf das Unternehmen mit seinen Stärken und Schwächen ermöglicht. So kann gewährleistet werden, dass eine umfassende Analyse erfolgt, die sowohl den individuellen Ansprüchen und Anforderungen des Autohauses / der Autogruppe entspricht als auch die sich wandelnden Marktvoraussetzungen berücksichtigt.